Nationalsozialismus

Die zwölf Jahre Nationalsozialismus haben in Europa tiefe Spuren hinterlassen. Ohne Kenntnisse über diese Zeit lassen sich viele aktuelle gesellschaftliche Debatten und Probleme gar nicht nachvollziehen. Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. möchte über die menschenverachtende NS-Politik informieren, die Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen wachhalten und widerständiges Verhalten gegen den Nationalsozialismus würdigen. Dabei gilt es, immer wieder neue Methoden der Geschichtsvermittlung und neue Formen des Gedenkens zu entwickeln.

Projekte

Gedenken an Verfolgung und Widerstand

Die Erinnerung an Verfolgung und Widerstand in der Zeit des Nationalsozialismus ist ein bestimmendes Element für die Aktivitäten der Regionalen Arbeitsgruppen von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. Mit dem zeitlichen Abstand zur Zeit des Nationalsozialismus wandeln sich die Vermittlungsformen, nicht aber die Inhalte, um die es geht. So wird an zentralen Gedenktagen über die verbrecherische Politik des NS-Regimes aufgeklärt. Gerade zum 9. November, zum 27. Januar oder auch an den Jahrestagen der Befreiung der Konzentrationslager sorgen die Regionalen Arbeitsgruppen dafür, dass an die Opfer des Nationalsozialismus mit ihren individuellen Lebensgeschichten erinnert wird.

 

Preise der Regionalen Arbeitsgruppen

Der von der Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg initiierte und von der Berthold Leibinger Stiftung finanzierte Rahel-Straus-Preis für die Jahre 2020 und 2021 sowie die Jugendpreise wurden im November 2021 in der festlichen Atmosphäre des Historischen Kaufhauses in Freiburg im Breisgau an die Preisträgerinnen und Preisträger überreicht. Eine von der Landesarbeitsgemeinschaft herausgegebene Broschüre schildert darüber hinaus eindrücklich das sehr bemerkenswerte Leben der Namensgeberin Rahel Straus. Die Broschüre wird an Interessierte kostenlos abgegeben

 

Unterwegs im „Demokratiedschungel“

Das Projekt „Demokratiedschungel“ verbindet die Befürwortung von Toleranz und die Ablehnung von Antisemitismus mit der Pflege einer engagierten Debattenkultur unter Jugendlichen, normalerweise durchgeführt im Geschichtsort Villa ten Hompel. Momentan bleibt es leider ausgesetzt, nachdem zunächst zu Jahresanfang 2022 mit einem kirchlichen Kreis aus Konfirmandinnen und Konfirmanden der Evangelischen Auferstehungsgemeinde Münster ein Versuch unternommen worden war, das Projekt in gewohnter Weise fortzuführen. Doch für Klassen und Kurse aus Schulen in den üblichen, also größeren Gruppenstärken lässt sich das Projekt angesichts der Ansteckungsrisiken in den engen Räumen des Geschichtsortes noch nicht wieder sorgen- und zweifelsfrei durchführen. Ersatzangebote und -formate unter dem Titel „Demokratie als Feind. Das völkische Westfalen“, die unter anderem auf die Weimarer Republik Bezug nehmen, kommen gut an (Opens external link in new windowdemokratiealsfeind.org

 

Geschichtsvermittlung via Film

Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. wird verstärkt von Produktionsfirmen als Kooperationspartner angefragt, wenn Filme mit zeitgeschichtlichen Inhalten in die Kinos oder als DVD in den Handel kommen. So begleiteten wir gemeinsam mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Ende September 2022 den Start des Spielfilms „Der Passfälscher“, der das Leben von Cioma Schönhaus in den Blick nimmt. Nach der Deportation seiner Eltern und seiner Großmutter tauchte er im Herbst 1942 unter und begann für andere im Untergrund lebende Jüdinnen und Juden Ausweise zu fälschen und mit dem Helferkreis um den Juristen und Widerstandskämpfer Franz Kaufmann zusammenzuarbeiten, der Mitglied der Bekennenden Kirche in Berlin war. Der Film bietet sich auch für die Arbeit mit Schüler:innen zur Thematik Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus an. Auch in den Regionalen Arbeitsgruppen setzen sich Interessierte mit dem Thema Geschichte im Film auseinander. So konnten etwa in Münster die geplanten Vortrags- und Filmreihen, unter anderem zur Geschichte des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik und in der DDR in den vergangenen Dekaden sowie im Film, unter der griffigen Frage „Was ist schon normal?“ in Präsenz durchgeführt werden. Der Geschichtsort Villa ten Hompel bot jeweils auch Hybridformate für diese Veranstaltungen an. Im Programmkino Cinema und zum Finale im Freilichtmuseum Mühlenhof zeigte sich der große Mitveranstalterkreis, unter ihnen die Regionale Arbeitsgruppe Münster, sehr zufrieden über den Zulauf und die Bereitschaft des Publikums, im Anschluss an alle Filme intensiv zu diskutieren.

Ebenso unterstützte die Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg die Regisseurin Karin Kaper bei der Vorführung ihrer Dokumentarfilme „Walter Kaufmann – welch ein Leben“ sowie „Wir sind Juden aus Breslau“.

 

Internationales Gedenken 

Seit 2017 nimmt die Versöhnungsarbeit in Frankreich einen besonderen Stellenwert in der Vereinsarbeit ein. In der französischen Gemeinde Maillé bei Tours (Mittelfrankreich) fand am 25. August 1944 ein schreckliches Massaker statt, welches später fast völlig vergessen wurde. Wie schon 2021 reiste im August 2022 eine größere Delegation von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. zur Gedenkfeier und blieb drei Tage zu Zeitzeugengesprächen und Begegnungen. Mit der Delegation fuhr auch ein Filmteam mit nach Maillé, das die Gedenkfeier und die Zeitzeugengespräche begleitete und filmte. Die Dreharbeiten sind Bestandteil eines deutsch-französischen Dokumentarfilmprojekts, das Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. gemeinsam mit dem Verein „Pour le Souvenir de Maillé“ beim deutsch-französischen Bürgerfond beantragt hat

 

Publikation „Warum wir uns erinnern wollen“ 

Ende 2021 erschien der Band „Warum wir uns erinnern wollen“ mit Essays und Analysen, die Prof. Dr. Bernd Faulenbach in den vergangenen zwei Jahrzehnten vor allem für die Zeitschrift „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ verfasst hat. Der Historiker, der von 2015 bis 2020 Vorsitzender unseres Vereins war, prägte die Arbeit der Vereinigung bereits seit ihrer Gründung im Jahr 1993 mit. In den im Band veröffentlichten Texten greift Bernd Faulenbach die verschiedensten Aspekte von Erinnerungskultur auf. 

Dies macht die Publikation zu einem gut lesbaren Kompendium der verschiedenen Erinnerungsdiskurse, die in Deutschland relevant sind. Aber der Historiker bleibt nicht bei der Theorie stehen, sondern ist in jedem Beitrag um die konzeptionelle Weiterentwicklung der konkreten praktischen Geschichts- und Erinnerungsarbeit vor Ort bemüht.

Gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

„Euthanasie“-Geschädigte und Zwangssterilisierte

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Opens internal link in current window"Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten" setzt sich Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. dafür ein, dass die Leiden dieser Opfergruppe in angemessener Weise gewürdigt werden.

In den nächsten Monaten möchte sich auch die Regionale Arbeitsgruppe Hohenlohe-Franken verstärkt ihrem vor der Pandemie beschlossenen Vorhaben annehmen, sich mit den Opfern der „Euthanasie“ in der Region zu beschäftigen. Die bereits mehrfach verschobene Lesung „Lina: Oder das kurze Leben eines besonderen Mädchens“ am 25. September 2022 war ein Teil dieses Vorhabens und wird unter anderem mit einer Exkursion zur Gedenkstätte Grafeneck weitergeführt.

 

Jugendwettbewerb „Remember Resistance 33 – 45“

Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. luden vom 1. September 2021 bis zum 28. Februar 2022 junge Menschen dazu ein, am Jugendwettbewerb „Remember Resistance 33 – 45“ teilzunehmen. Bei diesem bundesweiten Wettbewerb ging es um die Verbindung von historisch-politischer mit kultureller Bildungsarbeit: Jugendliche ab 14 Jahren beschäftigten sich mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus, nahmen an historisch-politischen Bildungsveranstaltungen teil und erstellten einen künstlerischen Beitrag zu einer Person oder Gruppe im Widerstand gegen die NS-Diktatur. Fast 70 künstlerische Beiträge wurden eingereicht, die vom 18. bis 25. Juli 2022 in einer Werks-Ausstellung in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand gezeigt wurden. Die besten Entwürfe wurden am 18. Juli 2022 bei einer Preisverleihung in Berlin prämiert und nun als Public Art im öffentlichen Raum umgesetzt.

Das Projekt ist Bestandteil des Förderprogramms „Jugend erinnert“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Aktuelles

Stolperstein-Beschluss des Kreistages ist wegweisend

Presseerklärung der Landesarbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein

Artikel über Starnberger Gedenkkundgebung erschienen

Reihe von Pressestimmen zur Gedenkveranstaltung des Starnberger Dialogs

Artikel über Bernd Faulenbach erschienen

Westfalenspiegel über den Vorsitzenden und die „Initiative Nordbahnhof Bochum“, die einen Gedenkort einrichten möchte...

Veranstaltungen

Fortbildungsreihe: "Yad Vashem Lectures: Vorbereitung einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung"

Geschichtsort Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28, 48145 Münster

Fortbildungsreihe: "Yad Vashem Lectures: Vorbereitung einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung"

Geschichtsort Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28, 48145 Münster

Fortbildungsreihe: "Yad Vashem Lectures: Veranstaltungen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag"

Geschichtsort Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28, 48145 Münster

Vortrag: "Die Schleswig-Holsteinische Landeskirche im Nationalsozialismus"

Schleswig-holsteinischer Landtag, Plenarsaal, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel

Vortrag: "Die Arisierung jüdischen Eigentums während der NS-Zeit in Schleswig-Holstein"

Volkshochschule Rendsburger Ring e.V., Kleiner Bürgersaal, Arsenalstraße 2-10, 24768 Rendsburg