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Renaissance am Rande des Untergangs: Der überraschende Anstieg des jüdischen kulturellen Selbstbewusstseins in Deutschland 1933-1939. Vortrag von Prof. Dr. Gideon Greif, University of Texas, Austin / USA, Shem Olam Institute, Kfar Haroeh /Israel

Dienstag, 14. Mai 2013

Veranstalter: BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., Fachbereich Dialog der Religionen im Erzbischöflichen Ordinariat München und
Regionale Arbeitsgruppe München von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hatte die jüdische Kultur – auch im Austausch mit den Bildungstraditionen der Mehrheitsgesellschaft – eine Blütezeit erlebt. Die Jahre 1933 bis 1939 waren für die Jüdinnen und Juden Deutschlands eine Zeit der Demütigung, Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung. In  dieser Zeit erfuhr das deutsche Judentum aber auch einen Aufbruch und eine Neuorientierung, die bisher in der deutschen Öffentlichkeit wenig beachtet wurden. Unter dem Dach des zunächst zur Selbsthilfe der vom Berufsverbot betroffenen jüdischen Künstler  gegründeten „Kulturbundes deutscher Juden“ entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit eine Rückbesinnung auf das  jüdisch-kulturelle Erbe und Selbstbewusstsein.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die jüdische Kultur der 1930-er Jahre: Theater, Musik, Literatur und Presse. Dabei werden die innerjüdischen Konflikte zwischen Zionisten und Nicht-Zionisten nicht ausgeklammert. Eine hauptsächlich von Martin Buber initiierte große Bildungsoffensive, die sich auch mit der jüdischen Geschichte und der Geographie Eretz Israels auseinandersetzte, verdeutlicht, dass es in Deutschland als Heimat keine Zukunft mehr gab. Viele, die in Eretz Israel ein neues Leben begannen, waren geprägt von diesem kurzen, aber gewaltigen Aufblühen jüdischen Lebens und Selbstbewusstseins in Deutschland.

Prof. Dr. Gideon Greif, israelischer Historiker und Pädagoge, ist seit August 2011 Professor für Jüdische und Israelische Geschichte am Schusterman Center for Jewish Studies an der University of Texas in Austin. Als Historiker und Forscher ist er am Shem Olam Institut für Erziehung, Dokumentation und Forschung zum persönlichen Widerstand durch Spiritualität und Religiösen Glauben in Israel tätig und an der Foundation for Holocaust Education Projects in Miami, Florida.
Über 30 Jahre arbeitete er für die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und Givatayim, zuletzt als Leiter der Polnischen Abteilung.
In Deutschland ist er vor allem bekannt als Autor zahlreicher Monographien und Aufsätze zur Geschichte der Shoah. Sein bekanntestes Werk „Wir weinten tränenlos… Augenzeugenberichte des jüdischen ‘Sonderkommandos’ in Auschwitz" (Köln 1995) wurde in sechs Sprachen übersetzt. Sein nächster Dokumentarfilm über das “Sonderkommando” in Auschwitz-Birkenau wird in Frankreich produziert.