Heinz Droßel

Geboren 21. September 1916 in Berlin; gestorben 28. April 2008 in Waldkirch

Droßel bewies als Oberleutnant, dass es auch für Mitglieder der Wehrmacht Handlungsspielräume für Zivilcourage und widerständiges Verhalten während des Zweiten Weltkrieges gegeben hat: er rettete einen gefangengenommenen sowjetischen Offizier, in dem er diesen heimlich entkommen ließ. Jüdischen Mitmenschen bot er in seiner Wohnung Unterschlupf, unterstützte sie finanziell und rettete sie so vor der Deportation. Die Jüdin Marianne Hirschfeld kann er während eines Fronturlaubs davon abhalten in den Freitod zu gehen und hilft ihr unterzutauchen. Nach dem Krieg treffen sie sich wieder, werden ein Paar und heiraten.

Als Verteidiger engagierte er sich zudem für straffällig gewordene Soldaten vor Kriegsgerichten. Weil er sich weigerte seine Einheit vier Tage vor Kriegsbeginn auf ein Selbstmordkommando zu schicken wurde er selbst zu Tode verurteilt und nur durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht vor diesem Schicksal bewahrt. Für seinen Einsatz wurde er 1999 von der Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Nach dem Krieg beendete Droßel seine juristische Ausbildung, wurde Richter und blieb bis zu seiner Pensionierung Präsident des Sozialgerichts Freiburg. In seinem letzten Lebensjahrzehnt machte er es sich zur Aufgabe, jungen Menschen authentisch über sein Leben zu berichten, um ihnen aufzuzeigen, dass es selbst unter den extremen Bedingungen nationalsozialistischer Diktatur und im Krieg möglich gewesen war, zu seinen Überzeugungen zu stehen und Menschen zu retten. Seine Vorträge schloss Droßel häufig mit der Aufforderung an seine jungen Zuhörer*innen: „Macht es besser!“