Das Geschichtsjahr 2009. Ein Jahr der Erinnerung - Wolfsburger Erklärung

Am 27. November 2008 hat die Vereinigung Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. auf ihrer Mitgliederversammlung in Wolfsburg die folgende Erklärung verabschiedet:

Wir stehen vor einem Jahr, in dem wir uns in besonderer Weise an Ereignisse deutscher Geschichte erinnern. Es gilt, das Jahr 2009 für die Stärkung des nationalen Gedächtnisses und des demokratischen Selbstbewusstseins zu nutzen. Wir feiern 60 Jahre Grundgesetz und 20 Jahre friedliche Revolution, herausragende Ereignisse unserer Demokratiegeschichte. 2009 jährt sich mit dem Überfall auf Polen auch zum 70. Mal der Beginn des verbrecherischen Zweiten Weltkriegs. Daran muss ebenfalls erinnert werden. Wir setzen uns sowohl mit der von Gewalt und Verbrechen geprägten jüngeren deutschen Geschichte als auch mit den Ereignissen unserer Freiheitsgeschichte auseinander. Beide sind miteinander verwoben.

1939, den Krieg, die Untaten des Nationalsozialismus, den Holocaust dürfen wir nie vergessen  – dies ist ein wesentliches Anliegen unserer Vereinigung. Aus dieser Vergangenheit erwächst zugleich die Verpflichtung, für unser demokratisches Gemeinwesen einzutreten.

Mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wurden 1949 wichtige Konsequenzen aus der historischen Erfahrung gezogen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – das ist die Grundlage unserer Verfassung. Entstanden ist ein demokratischer, sozialer Rechtsstaat, in dessen Rahmen sich Schritt für Schritt eine Zivilgesellschaft ausgebildet hat. Anders als in der Weimarer Republik, aus deren Scheitern gelernt wurde, sind unsere Verfassung und das ihr zugrundeliegende Wertesystem inzwischen weithin unbestritten, auch wenn manche ihr skeptisch, fremd oder gleichgültig gegenüberstehen. Wir fordern alle auf, die großen Chancen, die das Grundgesetz bietet, zu nutzen. Dafür werben wir. Nie hat es in der deutschen Geschichte eine freiheitlichere und sozialere Ordnung gegeben.
 
Zu Recht feiern wir auch die Friedliche Revolution von 1989, die erste erfolgreiche deutsche Revolution, die die Diktatur beseitigt und die Wiedervereinigung ermöglicht hat. Der Aufbruch im Herbst 1989 gehört zu den Ereignissen der deutschen und der europäischen Geschichte, auf die wir stolz sein können. Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. setzt sich dafür ein, dass die Ereignisse von 1989 im Jahr 2009 unter Beteiligung der ganzen deutschen Gesellschaft gewürdigt und gefeiert werden.

Wir verschließen dabei nicht die Augen vor der Realität. Es gibt Rechtsextremismus, der bekämpft werden muss, und auch im linksextremen Spektrum gibt es Menschen, die unsere demokratische Ordnung nicht anerkennen, sondern überwinden wollen. Wir treten beidem entgegen – denn die Geschichte lehrt uns, dass Demokratie nie ungefährdet ist.

Wolfsburg, 27. November 2008