Magdeburger Entschließung

Am 26. Oktober 2001 hat die Vereinigung Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. auf ihrer Mitgliederversammlung in Leipzig die folgende Entschließung verabschiedet:

I. Trauer

Die terroristischen Mordtaten des 11. September 2001 haben unsere Welt verändert. Die Angriffe waren ein Akt der Barbarei gegen die zivilisierte Welt. Sie sollten die Anfälligkeit der Ökonomie und die Verwundbarkeit der Staatsmacht demonstrieren. Dabei verschuldeten die Terroristen den Tod tausender Menschen.
Zuallererst empfinden wir Trauer um die Opfer, unser Mitgefühl gilt ihren Familien und Freunden. Wir haben in dieser Zeit empfunden, wie eng die Kontakte über viele Grenzen und Unterschiede hinweg inzwischen sind. Unsere Anteilnahme und Solidarität kommt aus einem tiefen Gefühl der Verbundenheit und aus der gemeinsamen Sorge um eine fragwürdiger gewordene Sicherheit.

II. Gerechtigkeit

Die Schuldigen müssen gefunden und einer gerechten Bestrafung zugeführt werden. Bei der Koalition abwehrbereiter Staaten ist im Sinne der Entschließung der Vereinten Nationen Besonnenheit und Entschiedenheit bei der Durchführung der dafür notwendigen Maßnahmen gefordert. Gerechtigkeit kann nicht durch Vergeltung verwirklicht werden. Rache führt in einen Teufelskreis, in den uns die Terroristen mit ihren Anschlägen hineinziehen wollen. Extremisten gleich welcher Art wollen die Grundfeste unserer Wertordnung erschüttern, um an ihre Stelle Gewaltherrschaft oder Anarchie zu setzen.

III. Augenmaß

So wie Aktionen zur Abwendung von terroristischer Gewalt mit Bedacht vorgenommen werden müssen, gilt es, den neuen und veränderten Bedrohungen mit Augenmaß und Entschiedenheit zu begegnen. Die Maßnahmen zum Schutz vor dieser neuen Dimension von Terror-Anschlägen müssen angemessen sein. Die Begrenzung von Bürgerrechten durch Anti-Terror-Maßnahmen darf die Prinzipien unserer freiheitlichen Ordnung nicht beschädigen. Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ist Fundament einer wehrhaften Demokratie. Ihre Verteidigung gegen extremistische Angriffe ist auch Grundlage unserer Vereinigung.

IV. Engagement

Der Kampf gegen Extremismus jeglicher Art ist jetzt besonders gefordert. Wir wissen, dass Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt nicht allein mit staatlichen Maßnahmen bekämpft werden kännen. Eine wehrhafte Demokratie braucht persänliches Engagement und gesellschaftliche Initiativen. Unsere Vereinigung wird sich hier weiter aktiv beteiligen. Sie wird weiterhin für den toleranten Umgang mit den in unserem Land lebenden Minderheiten eintreten. Zur Bekämpfung des Terrors gehärt auch eine sorgfältige Auseinandersetzung mit seinen Ursachen.

V. Offenheit

Nur ein lebendiger Dialog über kulturelle, politische und religiäse Unterschiede hinweg, der Sprachbarrieren und Ländergrenzen überwindet und in offenen Gesprächen, gegenseitigen Informationen und Auseinandersetzungen über die Vergangenheit und Gegenwart dem Abbau von Vorurteilen und dem Aufbau persänlicher Beziehungen dient, entzieht den Extremisten auf Dauer ihre Grundlagen. Unsere demokratische Ordnung bietet die Chance für eine solche Offenheit, in der dieser Austausch sich entwickeln kann. Wir sollten sie gemeinsam nutzen!

Magdeburg, 26. Oktober 2001