Ausstellungsprojekt zu Georg Elser in Darmstadt

„Ich wollte den Krieg verhindern - Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939"

Eine Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand – Berlin

Vom 8. bis 27. November 2019 im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt – Haus der Geschichte – Karolinensaal

Am 8. November dieses Jahres jährt sich zum 80. Mal das Attentat des Schreinergesellen Georg Elser auf Adolf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller am 8. November 1939. Der „Führer“ hat das Attentat überlebt, weil er den Bürgerbräukeller verlassen hatte, bevor die mit einem Zeitzünder versehene Bombe explodierte.

Die Regionale Arbeitsgruppe Südhessen hat diesen Jahrestag zum Anlass genommen, die Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin „Ich wollte den Krieg verhindern“ – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939 nach Darmstadt zu holen. Sie steht vom 8. bis zum 27. November im Karolinensaal des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt/Haus der Geschichte. In Kooperation mit der Geschichtswerkstatt Darmstadt und dem Hessischen Staatsarchiv ist ein umfangreiches Initiates file downloadRahmenprogramm erarbeitet worden.

Wer war Georg Elser?

Der am 4. Januar 1903 in Hermaringen bei Heidenheim geborene Georg Elser war in ärmlichen Familienverhältnissen aufgewachsen. Nach dem Umzug nach Königsbronn hatte er seine Jugend überwiegend mit Hilfen im ländlichen Haushalt der Familie zugebracht und dem Vater im kleinen Holzhandel geholfen. Nach der siebenjährigen Schulzeit fand er schließlich im Schreinerhandwerk eine berufliche Perspektive. Georg Elser, der musikalisch sehr talentiert war, sich selber das Spielen einiger Instrumente beibrachte und weitere Instrumente erlernte, verfolgte aufmerksam die politischen Verhältnisse. Er sah, dass sich die Lage die Arbeiterklasse im Nationalsozialismus verschlechterte, was ihn dazu bewog, die KPD zu wählen. In der zweiten Hälfte der 30er Jahre – insbesondere nach dem Münchener Abkommen - kam er zu dem Ergebnis, dass Adolf Hitler einen Krieg plante. Das ließ ihm keine Ruhe.

Das Attentat und Elser als Sonderhäftling des „Führers“


Als Einzelner sah er nur eine Möglichkeit, in das Geschehen einzugreifen: Die „politische Führung des Landes“ musste beseitigt werden. So steht es im Protokoll, das die Gestapo vom 19. bis 23.November 1939 in Berlin über das – teils unter Folter entstandene - Verhör mit ihm angefertigt hat und das als „Autobiographie“ (Lothar Gruchmann) und „Schlüssel zur Welt des Georg Elser“ (Ulrich Renz) angesehen wird. Daraus geht auch hervor, dass er im Herbst 1938 mit der Planung eines Attentats auf Adolf Hitler begonnen und sich am 8. November dieses Jahres erstmals einen Einblick in die Räumlichkeiten des Bürgerbräukellers verschafft hat. Über ein ganzes Jahr hinweg hat er dieses Attentat technisch, organisatorisch und in aller nur denkbaren Heimlichkeit alleine vorbereitet. Dazu bedurfte es nicht nur einer politischen Überzeugung und der Fähigkeit, einer ganz und gar individuellen Bewältigung von Zweifeln an einer solchen Tat, sondern auch der Einarbeitung in alle technischen Details der Anfertigung und Platzierung einer Zeitbombe.

Dem Anschlag am 8. November vorausgegangen war der 1. September 1939: Deutschlands Angriff auf Polen – und damit der Beginn des 2. Weltkrieges.

Hitler weilte an diesem Abend – wie an jedem 8. November – in München, um der „Helden“ des 8. November 1923 – den im Zusammenhang mit dem von ihm und Ludendorff geplanten Putsch und dabei ums Leben gekommenen Anhängern der damals noch relativ kleinen NSDAP - zu gedenken. – Elsers Arbeit war präzise: Die Bombe zündete zum vorausberechneten Zeitpunkt. Sie tötete acht Menschen. Hitler saß zu dieser Zeit aber bereits im Zug nach Berlin.

NS-"Sonderhäftling" Georg Elser

Georg Elser war schon am 8. November vormittags mit einem Zug nach Friedrichshafen gefahren und von dort nach Konstanz übergesetzt, um sich in die Schweiz abzusetzen. An der Grenze wurde er vom deutschen Zoll verhaftet. Da er verdächtige Gegenstände bei sich trug, wurde er verhaftet und konnte schließlich in Verbindung zu dem Attentat in München gebracht werden. Nach mehreren Tagen des Verhörs gestand er am 14. November schließlich die Tat.


Das genügte der NS-Propaganda jedoch nicht. Ohne jeden Beweis wurde umgehend eine „britische Verschwörung“ für das Attentat verantwortlich gemacht. Elser wurde nach Berlin gebracht und in der Gestapo-Zentrale mehrere Tage lang unter Folter erneut verhört. Die Polizei schaltete Heydrich höchstpersönlich von jeder Untersuchung aus. Alle Familienangehörigen – die Eltern, die Schwestern und deren Ehemänner – wurden verhaftet und zunächst in Stuttgart inhaftiert und verhört. Weitere intensive Verhöre – u.a. seiner Mutter und von Elsa Härlein, der Frau, mit der er am engsten verbunden war, folgten in Berlin. Seine Schwester und ihr Mann blieben bis Februar 1940 in Berlin in Haft. Ganz besonders intensiv wütete die Gestapo in Königsbronn. Aber je mehr die Gestapo auch recherchierte: eine anderweitige Tatbeteiligung oder gar eine Verschwörung waren nicht nachweisbar. Georg Elser war ein Einzeltäter.


Nach diesen Verhören wurde er als „Sonderhäftling“ für fünf Jahre in das KZ Sachsenhausen verbannt und im Februar 1945 in das KZ Dachau überführt. Hitlers Plan, ihn nach einem gewonnenen Krieg in einem großen Schauprozess zu verurteilen, war nicht mehr umsetzbar. Stattdessen wurde er am 9. April 1945 – kurz vor der Befreiung durch die Amerikaner – in Dachau auf Anweisung aus dem Reichssicherheitshauptamt erschossen.

Der lange Weg der Anerkennung für eine einsame Tat


Georg Elsers Tat war in der deutschen Bevölkerung vor und nach 1945 zutiefst umstritten. Auch seine Familie wandte sich zum Teil von ihm ab. Ein geplanter Mord am „Führer“ war für die Mehrheit der Deutschen ein Verbrechen. Und das sah diese Mehrheit auch nach 1945 so. Das Bild wandelte sich sehr langsam. Dazu trug wesentlich die zufällige Entdeckung des o.a. Gestapo-Protokolls Anfang der 60er Jahre durch den Historiker Dr. Lothar Gruchmann im Bundesarchiv bei. Ganz besonders dessen Auswertung machte deutlich, dass hier ein „kleiner Mann“ mit Volksschulbildung aus großer Verantwortung für die Zukunft Deutschlands Schlimmes verhindern wollte. Da es von Georg Elser selber keinerlei schriftliche Aufzeichnungen über eine Motive gibt, ist dieses Protokoll von großer Bedeutung – auch wenn es nicht von ihm persönlich verfasst worden ist.

Seit Ende der sechziger sind mehrere Filme über Georg Elser entstanden – für das Fernsehen und drei Spielfilme für das Kino. Sie haben einen wesentlichen Anteil daran, dass sich das Bild über ihn im Laufe der Zeit verändert hat. – Die Geschichtswissenschaft hat sich auch erst seit den 60er-Jahren mit Georg Elser beschäftigt; aber ihn jahrzehntelang für marginal gehalten. Insbesondere im Vergleich zu den Personen des Widerstandes des 20.Juli hatte ein einsamer Schreinergeselle keine Chance, überhaupt nur beachtet, geschweige denn anerkannt zu werden. In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin wird ihm seit einigen Jahren aber eine besonders hervorgehobene Beachtung zuteil.
Auch in seiner Heimat dauerte die Anerkennung sehr lange. Die Einrichtung einer Gedenkstätte in Königsbronn erfolgte erst 1998 – 50 Jahre nach dem Attentat!

Georg Elsers Widerstand ist die singuläre Tat eines Menschen, dessen Motive und Tat erst sehr spät in der Geschichte der BRD anerkannt wurden.

Die Geschichte der Rezeption dieser Tat in der Nachkriegszeit ist – bis in die heutige Zeit – ein Spiegel der Geschichte der BRD im Umgang mit der NS-Zeit und darum nach wie vor von exemplarischer Bedeutung.


Eine besondere Aufmerksamkeit wird Georg Elser in diesem Jahr nicht zuletzt durch erfahren, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 4. November 2019 – vier Tage vor dem 80. Jahrestag – ein Denkmal für Georg Elser in seinem Geburtsort Hermaringen einweihen wird.

 

Die Ausstellung in Darmstadt

Um die Ausstellung im Staatsarchiv herum gibt es ein Rahmenprogramm mit verschiedenen Formaten: Vorträge, Filme, Szenische Darbietungen etc. Vor allem werden auch Schülerinnen und Schüler und Studierende in das Projekt eingebunden. U.a. bildet die RAG Südhessen Schülerinnen und Schüler zu sogenannten Guides aus, die durch die Ausstellung führen können.

Die Ausstellung wird am Freitag, den 8. November 2019 abends im Staatsarchiv eröffnet. Den Vortrag dazu hält der Historiker, Publizist und Autor Hellmut G. Haasis (u.a. Autor des Buches über Georg Elser ‚Den Hitler jag‘ ich in die Luft‘, Berlin 1999).

Das Projekt wird von der Regionalen Arbeitsgruppe Südhessen von Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V., dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt und der Geschichtswerkstatt Darmstadt organisiert und von der Stadt Darmstadt unterstützt.

Für Nachfragen steht der Sprecher der Regionalen Arbeitsgruppe Südhessen, Klaus Müller, gerne zur Verfügung.

Veranstaltungen

Filmvorführung: "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben"

Programmkino Rex, Wilhelminenstraße 9, 64283 Darmstadt